Posts Tagged ‘Nachwuchsgewinnung’
Ab und zu lese ich natürlich auch in anderen Foren zur Wehrpflicht mit. Folgende Frage von David92 erregte mein Mitleid:
Hallo,
am 7. sept.2010 hatte ich meine Musterung und wurde T2 gemustert,
da ich damit überhaupt nicht zufrieden bin habe ich vor einspruch zu erheben.
Mein wehrdienstberater hatte gemeint wenn ich mit dem medizinischen ergebnis nicht zufrieden bin soll ich alle meine behandelnden ärzte von ihrer Schweigepflicht befreien.
nun meine frage soll ich bei einem evtl einspruch eine NAchmusterung verlangen oder würdet ihr es so lassen wie ichz es hier ausformuliert habe: Hiermit lege ich unter Berufung auf die Rechtsbehelfbelehrung widerspruch gegen mein Musterungsergebnis vom 7.9.10 ein aufgrund der unzureichenden Berücksichtigung meines Hohlkreuzes und meiner Knieschmerzen.
Mit diesem Bescheid entbinde ich meinen Orthopäden Dr…. von seiner Schweigepflicht
Was kann man einem 18jährigen Wehrpflichtigen raten, der sich von seinem Gegner, dem Kreiswehrersatzamt, gleich auch noch “beraten” lässt?
Dass sein Tauglichkeitsgrad ganz sicher nicht T2 heißt, sondern wehrdienstfähig ist in diesem Zusammenhang nicht von Belang, aber schon mal pauschal und ohne Rücksprache den eigenen Orthopäden von der Schweigepflicht zu entbinden, ist so sicherlich nicht sinnvoll.
Was passieren wird? Der ärztliche Dienst guckt sich die Befunde bei der Musterung an, überprüft, ob bei der Tauglichkeitsbeurteilung “Knieschmerzen” und das behauptete Hohlkreuz berücksichtigt wurden, fragt beim Orthopäden nach, was für Schmerzen das sind, läd den Wehrpflichtigen zu einem Gespräch vor, erklärt ihm dort, dass der Einspruch, der in Wirklichkeit ein Widerspruch ist, keinerlei Aussicht auf Erfolg hat. Vielleicht untersucht man ihn aber einfach nur noch einmal. So ganz nach dem Motto Ordnung muss sein.
Und dann?
David92 wird entweder den Widerspruch zurücknehmen, weil der nette Beamte ihm das so gesagt hat. Oder er nimmt ihn nicht zurück und der Widerspruch wird von der Wehrbereichsverwaltung als unbegründet zurückgewiesen.
Viel Lärm um nichts. Eine Nachmusterung kann er auch nicht verlangen, sowas gibt es nämlich nicht und ansonsten ist der Widerspruch ohne jeglichen Sachverstand und Substanz einfach mal ins Blaue hinein eingelegt und das gesamte Pulver gleich am Anfang verschossen worden. Schade eigentlich, da hätte man sicherlich etwas drauf machen können, auch wenn es vielleicht erstmal nur zur Überbrückung einiger Monate gereicht hätte.
Die Osthessen-News weisen auf eine ganz besondere Veranstaltung hin. Rolf Clement, Mitglied der Chefredaktion des Deutschlandfunk in Köln, hält am 23. Februar 2010 in Fulda einen Vortrag zur Wehrpflicht. Clement hält die Wehrpflicht für ein wichtiges Scharnier zwischen Gesellschaft und Bundeswehr.
Wie muss man sich ein solches Scharnier vorstellen, mal ganz fernab vom Komasaufen und sadistischen Spielchen mit rohem Fisch und roher Schweineleber?
Neulich habe ich jemanden kennengelernt, Unteroffizier, Mitte 30, Vater zweier Kinder, geschieden. Zur Bundeswehr gekommen über “das Scharnier”, jedenfalls sei er nie auf die Idee gekommen, zur Bundeswehr zu gehen, wenn er nicht als Wehrpflichtiger dazu gezwungen worden wäre.
Jetzt ist er Soldat auf Zeit und versucht sich mit der Teilnahme an Weiterbildungskursen vor Auslandseinsätzen zu drücken. Er denkt über eine Offizierslaufbahn nach, will aber nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen. Und dann schimpft er, über die ganzen dummen Mannschaftsdienstgrade, die mit ihrem Hauptschulabschluss nur hinter dem Geld her sind und garnicht so richtig bei der Sache sind. Sind das die Leute, die man mit der Wehrpflicht ködern (“gewinnen”) will, die sich aus dem Grundwehrdienst heraus verpflichten sollen?
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