Das Kreiswehrersatzamt Meppen hat 75 Mitarbeiter, darunter 5 Ärzte. Amtsleiter Klaus Steinl ist aber Realist. Er glaubt, sein Amt hat keine Zukunft und wird einfach ausgemustert. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht endet die Existenzberechtigung der Kreiswehrersatzämter. 4.500 Mitarbeitern in anderen Kreiswehrersatzämtern droht ähnliches, dabei haben sie noch Glück. Arbeitslosigkeit haben sie nicht zu fürchten.

Weil meist keine Entlassung, sondern nur eine Versetzung in eine andere Bundesbehörde irgendwo in Deutschland droht, befinden sich die Mitarbeiter in einer Art Schockatarre. Grund genug um über die Wehrpflichtigen zu lästern und sich etwa darüber aufzuregen. So schimpft etwa ein Beamter darüber, dass dort ständig “Mama oder Papa an[rufen] und fragen, ob ihr Kind noch einberufen wird”.  Woran wird es wohl liegen? Doch wohl alleion an dem jahrzentelang einstudierten intranspasrenten Verfahren der Wehrverwaltung.

Wer etwa soll wissen, dass etwa das Bundesamt für den Zivildienst Ankündigungen zur Heranziehung zum Zivildienst verschickt, diese aber wohl allesamt überhaupt nicht ernst gemeint waren.

“Wir wissen nicht, ob und wie es weitergeht” regt sich etwa der Personalratsvorsitzende auf. Viele Wehrpflichtige wussten auch nicht, wie es für sie weiterging, als ihnen plötzlich der Makel “für den Wehrdienst vcerfügbar” anhaftete. Vorschläge hat er auch schon, etwa eine Härtefallregelung mit Versetzung in den Vorruhestand. Schließlich seien ja ganze Familien betroffen, sogar schulpflichtige Kinder.

Der Personalratsvorsitzende wird aber nicht müde und setzt noch einen drauf: “Viele meinen, dass wir es als Bundesbedienstete doch gut haben, weil wir unkündbar sind.”

Eine komische Mentalität haben sie, diese Bundesbediensteten. Viel mehr fällt mir zu diesem geschmacklosen Wunsch nach kostenloser Vollversorgung auf Kosten des Steuerzahlers nicht ein. Wenn ihm eine Versetzung nicht zusagt, soll er doch kündigen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man mit der Vorgeschichte in der freien Wirtschaft wirkich gefragt ist.

 

Visitenkarten und Kreiswehrersatzämter haben auf dem ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Ganz anders aber soll es beim Kreiswehrersatzamt Berlin sein.

Nach Meinung des parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium Thomas Kossendey (CDU) sind Kreiswehrersatzämter die Visitenkarte der Bundeswehr. Hier würden Jugendliche das erste Mal mit offiziellen Gesprächspartnern der Bundeswehr in Kontakt kommen.

Anlässlich eines Besuchs des Staatssekretärs im Kreiswehrersatzamt Berlins im September 2009 erläuterte die Leiterin des Amtes, Frau Marion Krauskopf,  ihre (Zitat) “ambitionierten Aufgaben”.

Diese liegen schon seit Jahren mehr oder weniger darin, sich – wie es Thilo Sarrazin ausdrücken würde – selbst abzuschaffen. 40% Personalabbau hatte man 2009 schon hinter sich, weitere 30% sollen bis Januar 2011 folgen. Ganz nebenbei wurden drei benachbarte Kreiswehrersatzämter, nämlich Potsdam, Frankfurt (Oder) und Neuruppin gleich ganz aufgelöst.

170 Mitarbeiter sollen in Berlin Anfang 2011 noch Musterungen Eignungsfeststellungen und Überprüfungsuntersuchungen durchführen, sind für die Wehrüberwachung verantwortlich und sollen eingehende Anträge von Kriegsdienstverweigerern statistisch erfassen. Auch für die Berufsförderung von Soldaten ist man verantwortlich.

Staatssekretär Kossendey bringt es so auf den Punkt: Die Wehrpflicht ist die intelligenteste Form Nachwuchs zu gewinnen. Da fehlt zwar ein Komma und die Aussage muss man nicht für richtig halten, aber immerhin dürfte klar sein, dass er nicht mit dem Minister einer Meinung ist, der will von der intelligentesten Form nämlich nichts mehr wissen.

Bleibt noch die Sache mit der Visitenkarte, genauer der “erste Eindruck”. Mein erster Eindruck war prägend und gelinde gesagt einfach unterirdisch. Derart verbohrte Piesepampel habe ich selten auf einem Haufen gesehen.

Wie viele Stellen im Jahr 2011 abgebaut werden müssen, ist aber noch nicht klar. Abhängig davon, ob mit der Aussetzung der Wehrpflicht auch die Aussetzung der Musterungen kommt, könnten es sehr viele sein und das gesparte Geld könnte dann endlich für sinnvollere Projekte ausgegeben werden. Vielleicht gibts auch gleich eine neue Struktur und man löst gleich alle Kreiswehrersatzämter auf und verlagert die verbleibenden Aufgaben an die Wehrbereichsverwaltungen.

 

Manchmal wundert man sich, wenn man sich Zeitungsartikel aus der guten alten Zeit durchliest, als alles noch so schön einfach war.

Damals, also vor 3 Monaten, wurde der damalige Leiter des Kreiswehrersatzamtes, dessen “herzliche Art und effektive Arbeitsweise” stets gelobt wurde, pensioniert.

Gleichzeitig wurde natürlich auch ein Nachfolger, ein 48jähriger Beamter Namens Thomas Joemann, vorgestellt. Der pendelt seit dem von seinem Berliner Wohnsitz nach Wesel und ist zuständig für die Musterung von immerhin bis zu 40 Wehrpflichtigen täglich.

Jetzt zieht er von Berlin nach Wesel um, schließlich geht er davon aus, dass er dauerhaft in Wesel bleiben wird. “Das [die Diskussion üebr die Aussetzung der Wehrpflicht] sind doch alles nur Spekulationen. Ich jedenfalls freue mich sehr auf die neue Herausforderung”.

3 Monate später ist klar, dass die Wehrpflicht ausgedient hat, selbst in den Köpfen führender konservativer Politiker. Noch nicht ganz klar ist, ob man überhaupt noch ein Kreiswehrersatzamt in Wesel braucht. Der oberste Dienstherr von Herrn Joemann meint ‘nein’, schließlich seien Musterungen ohne verpflichtenden Grundwehrdienst nicht mehr zu rechtfertigen. Da hat er recht.

Und ich frage mich die ganze Zeit, worin genau im Schikanieren von Wehrpflichtigen eine Herausforderung liegen kann,. Ich weiß es nicht.Und nächstes Jahr hat auch Herr Joemann Gelgenheit, über diese Frage noch einmal nachzudenken.

 

Die Wehrpflicht soll ausgesetzt werden, die Bundeswehr setzt also in Zukunft ausschließlich auf Freiwillige.

Freiwillige hat es auch frher schon gegeben, allerdings konnte man zu Zeiten, als die Truppenstärke noch deutlich größer war, den Bedarf so nciht decken. Angeblich gibt es keine geeigneten Bewerber. Das konnte ich mir nie so recht vorstellen. Bis jetzt, jetzt kenne ich die Geschichte von Nordi30.

Nordi30 will eine Ausbildung bei der Bundeswehr machen. Schaumburger Modell nennt das die Bundeswehr, Zuckerbrot und Peitsche nenne ich das: Wer sich auf bis zu 15 Jahre verpflichtet bekommt eine Berufsausbildung.

Nordi30 hat noch keine Berufsausbildung gefunden und will sich verpflichten. Nun kommt es zur Musterung und er will schon mal vorab wissen, was ihn erwartet.

Nichts gutes vermutlich, denn er ist stark untergewichtig, hat eine Trichterbrust, Skoliose und (Zitat) er “wirk[t] schwächlich”. Die Bundeswehr  wird also auf ihn wohl eher verzichten.

Seine Befürchtungen gehen aber eher in eine ganz andere Richtung. Was – so fragt er sich – passiert wohl, wenn bei der Musterung festgestellt wird, dass er sich untenrum rasiert!?