Category: Grundwehrdienst
Fast ist sie Geschichte, die allgemeine Wehrpflicht in der Bundesrepublik. doch dauert es noch 6 Monate, bis der letzte Wehrpflichtige, der unfreiwillig Soldat geworden ist, aus der Bundeswehr entlassen wird.
Am 3. Januar 2011, treten 12.150 Wehrpflichtige ihren Grundwehrdienst an, so wenig wie selten an einem Quartalsanfang. Man könnte fast der Meinung sein, die Reduzierung der Zahl der Einberufungen war von vornherein geplant.
Erstmalig hat das Bundesverteidigungsministerium das nahende Dienstantrittsdatum zum Anlass genommen, darauf hinzuweisen, dass die Einberufungsbescheide ernst gemeint und rechtsverbindlich sind. Zuvor hatte es Pressemitteilungen gegeben, wonach angeblich keine Feldjäger eingesetzt würden, um eigenmächtig abwesende Wehrpflichtige zwangsweise in die Kasernen zu bringen.
Vor einem halben Jahr hat es wohl niemand für möglich gehalten, dass die Wehrpflicht so sang- und klanglos ausläuft und dann musste es ganz schnell gehen:
- Das Bundesamt für den Zivildienst hat Ankündigungen zur Heranziehung zum Zivildienst geschickt, die überhaupt nicht ernst gemeint waren. Wer drauf reinfällt, wird anschließend als mutmaßlich freiwilliger zum Zivildienst herangezogen.
- In Kenntnis der geplanten Aussetzung auch der Musterungen haben Kreiswehrersatzämter weiter zu Musterungen geladen und dabei sehr kurzfristige Termine, mitunter zwischen Weihnachten und Silvester vergeben. Zwischenzeitlich ist die Weisung ergangen, diesen Unsinn zu stoppen.
- Noch immer gibt es Berichte in Internetforen, wonach Wehrpflichtigen, die schon aufgrund ihreres Körpergewichts den Anforderungen des Wehrdienstes nicht gewachsen sind, aufgetragen wird, sich etwa von drei verschiedenen Fachärzten noch genauer untersuchen zu lassen, damit man entscheiden kann, ob sie nur vorübergehend nicht wehrdienstfähig sind oder endgültig nicht wehrdienstfähig sind.
Dies durch und durch würdelose Verhalten der Wehrbehörden gegenüber Wehrpflichtigen hat man also bis zum Ende durchgehalten. Glückwunsch Bundeswehr, Glückwunsch Bundesamt für den Zivildienst.
Ach ja, das Bundesamt für den Zivildienst bietet am 8. Februar 2011 noch Schulungen an, um Mitarbeitern von Zivildienststellen zu erklären, wie ein gemeinsamer Einberufungsvorschlag von Dienststelle und Dienstpflichtigen auszusehen hat. Realsatire? Nein, bei dieser besonderen Veranstaltung ist die Teilnahmerzahl begrenzt.
Bleibt nur noch zu ergründen, was die 5.000 Mitarbeiter der Kreiswehrersatzämter in den nächsten Wochen machen.
Seit 50 Jahren gibt es nunmehr das Kreiswehrersatzamt im beschaulichen Schwarzwaldstädtchen Domaueschingen. Behördenleiter Richard Koch weiß nicht, wie es weitergeht und ob es dort überhaupt weitergeht.
“Uns liegen keinerlei belastbare Informationen vor”, ärgert sich Koch. Erst im Januar sei damit zu rechnen, dass man über neue Strukturen informiert werde. Behördenleiter Koch hat da schon so eine Idee. Für die bald nur noch 185.000 Soldaten sollte der Nachwuchs über die Kreiswehrersatzämter gewonnen weden. Was dann aber aus den Zentren für Nachwuchsgewinnung werden soll, dazu von ihm kein Wort.
Bis dahin business as usual in der für 5 Landkreise zuständigen Behörde in der ohnehin nur noch 52 Mitarbeiter arbeiten.
Und weil Kreiswehrersatzämter in Sachen Zünden von Nebelkerzen ganz groß sind, hat er auch einen ganz tollen “Tipp” auf Lager:
Wer einen Antrag auf Zurückstellung einreicht und mit akzeptablen Begründungen versehe, könne jetzt auf viel Einsehen hoffen.
Klingt nett, ist aber Blödsinn. Eine Zurückstellung gibt es nur in den vom Gesetz vorgesehenen Fällen. Sämtliche Einberufungsbescheide für den 1. Januar sind entweder bestandskräftig bzw. wurden in den Fällen der Vorbenachrichtigung als Ersatz für Ausfälle Ausschlussfristen für die Stellung von Anträgen gesetzt, die aber abgelaufen sind. Und auch mit “Einsehen” löst sich ein Einberufungsbescheid nicht in Wohlgefallen auf.
Ganz so schlimm wie in anderen Kreiswehrersatzämtern ist die Stimmung aber nicht. Als “abwartend“ charakterisiert Koch die Stimmung, zumal sich der alltägliche Dienstbetrieb noch nicht geändert hat. Die zur Musterung geladenen Wehrpflichtigen erscheinen sogar zu den von dem Amt festgesetzten Musterungsterminen. Noch.
Die Märkische Allgemeine berichtet über einen 18jährigen Abiturienten, der eine recht eigenwillige Lebensplanung hat. Er hat sich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, er geht – wie sein Opa zur Armee.
Er wird ein guter Arzt meint er und könnte damit durchaus Recht haben, schließlich gibt es auch bei der Bundeswehr gute Ärzte.
Aber eine Frage darf erlaubt sein: Was bewegt einen jungen Mann, dem sämtliche Studiengänge offenstehen, sich auf 17 Jahre so festzulegen und das Risiko einzugehen, im Ausland das Leben geben zu müssen.
Vielleicht hören wir bald mehr von Sebastian K. auf Musterungsforum.de.
Es ist immer wieder erstaunlich, was für Leute für einschneidende Änderungen in der Politik verantwortlich sind. Das verhasste “Hartz-IV” ist von den Sozialdemokraten eingeführt worden. Und das Ende der Wehrpflicht wird jetzt offenbar von einem Verteidigungsminister betrieben, der Mitglied der konservativen CSU ist,
Offiziell sind es nur “Überlegungen”, denen mittlerweile auch die CDU-Kanzlerin Merkel etwas abgewinnen kann. Aber da ist noch mehr im Busch, nämlich offensichtliche eine zwingende Notwendigkeit, an den Strukturen der Bundeswehr einiges zu ändern.
Zu Guttenberg soll als Sparbeitrag für künftige Bundeshaushalte 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten einsparen. Etwa 188.000 gibt es derzeit, ein gutes Fünftel soll aber weg.
Da die Bundeswehr durch die ständigen Auslandseinsätze ohnehin am Limit ist, kann nur an Posten gespart werden, die weder die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands einschränken, noch zur Nichtdurchführbarkeit der Auslandseinsätze führen. Man muss kein Hellseher sein, dass zu Guttenberg letztlich nur an der Ausbildung von Rekruten, die aufgrund der Wehrpflicht ihren Grundwehrdienst leisten, sparen kann. Rechnet man alles zusammen, was mit diesen Wehrpflichtigen im Zusammenhang steht, also Ausbilder, Rechnungsführer, medizinisches Personal, den gesamten Überbau an Offizieren in den Ausbildungskompanien, dann kommt man auf eine stattlcihe Zahl in der Größenordnung von etwa 40.000 Dienstposten.
Und dann gibt es Gerüchte: Der Focus und die Frankfurter Runfschau berichten, dass das Verteidigungsministerium angeblich plant, den Grundwehrdienst der Grundwehrdienstleistenden zum Jahreswechsel einfach auslaufen zu lassen. Neue Einberufungsbescheide sollen – so die Zeitungen – nicht ve4rschickt werden, einzig die Wehrpflichtigen mit Dienstantritt Oktober 2010 sollen dann noch ihre verbleiebnden 3 Monate ableisten. Ganz offiziell traut man sich noch nicht, dies zuzugeben, ernsthafte Planungen soll es aber tatsächlich geben.
Und im “Spiegel” setzt zu Guttenberg noch eins drauf: “Wenn wir auf [die Wehrpflicht] verzichten, dann vor allem aus strukturellen Gründen“, so zu Guttenberg. Dass die Strukturen der Bundeswehr sich ändern müssten, sei eine grundsätzlich erkannte Notwendigkeit, die Umsetzung werde durch die Sparzwänge jetzt nur noch beschleunigt.
Im Klartext: Die Wehrpflicht wäre auch ohne die geplanten und notwendigen Einsparungen im Bundeshaushalt tot.
Bleibt zu hoffen, dass zu Guttenberg sich durchsetzen kann, bevor die Koalition am Ende ist.
Über einen einzigartigen Monent im Leben eines Wehrpflichtigen, das “feierliche Gelöbnis”, berichtet die Augsburger Allgemeine:
Es war eine tolle Atmosphäre. Wir standen in Reih und Glied, die Militärkapelle spielte. Und plötzlich merkt man, welche Verantwortung man durch den Eid auf sich genommen hat.
Auch sei er stolz darauf, dem Vaterland zu dienen und Recht und Freiheit zu verteidigen.
Das übliche Geschwafel halt. Und wenn ihm jetzt noch jemand sagt, dass er gar keinen Eid geleistet hat, sondern lediglich auf Befehl seines Vorgesetzen einen – rechtlich vollkommen bedeutungslosen – Gelöbnistext heruntergeleiert hat, dann wird sein Weltbild wohl vollkommen ins Wanken geraden. Ein “feierliches” Gelöbnis ist diese Veranstaltung nämlich nur dem Namen nach.
Oder dem Journalisten, der ein paar Zeilen in seiner Zeitung füllen musste, ist die Phantasie durchgegangen.
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