Archive for Februar, 2010


Im Oktober 2009 hatte das Kreiswehrersatzamt Geburtstag, der pfälzische Merkur berichtet darüber. Kreiswehrersatzämter sind zivile Bundesbehörden im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verteidigung. Grund genug für einen Fototermin mit Landrätin, Landesinnenminister und einem General. Also alles Leute, die nichts mit dem Amt zu tun haben.

Und dann wird philosphiert wie das damals so war, als die Zeiten besser waren, als das Kreiswehrersatzamt Saarlouis noch nicht das einzige verbliebende Kreiswehrersatzamt im Saarland war, als in Saarlouis noch 200 Mitarbeiter beschäftigt waren und nicht nur 100.

Ein Kreiswehrersatzamt sei heute ein Dienstleister, so der Leiter des Amtes Hans-Peter Breit.

Und dann sinniert der Autor noch darüber, wie Musterungen früher waren. Entblößt bis aufs Hemd standen die Wehrpflichtigen da und wurden begutachtet wie ein Stück Vieh. Aber heute, heute ist das anders. Heute gibts zur Musterung noch pschologische Tests und berufliche Eingliederungshilfen für Zeitsoldaten. Ich bin begeistert, das ist Qualität!

 

Mitarbeitern der Kreiswehrersatzämter bringen Betroffene häufig nicht viel Sympathe entgegen. Erst neulich hat mir jemand erzählt, er sei ausgemustert worden, weil er deutlich zu erkennen gegeben hat, dass er sich da nicht “von so einer Fotze” anfassen lassen wird.

Eine solche Haltung dürfte darin begründet sein, dass die Wehrpflicht einer der schwerwiegendsten Eingriffe in die Freiheiten und Rechte Erwachsener ist.

Interessant wird es, wenn sich hinter der IP-Nummer des NDR ein (vermeintlicher?) Mitarbeiter einer solchen Behörde, ein Psychologe, verbirgt und sich dann als Psychologe outet,  der mir die Welt erklären möchte. Mir persönlich gehen notorische und unbelehrbare “Tauglichkeitsgradnumerierer” ziemlich auf den Zeiger, da mache ich keinen Hehl draus. Wer in Kategorien wie T1 oder gar T3 denkt, gibt nur zu erkennen, dass er entweder das Wehrpflichtgesetz nicht gelesen oder eben nicht verstanden hat, dass er insbesondere nicht verstanden hat, dass sich die Tauglichkeit an der voraussichtlichen Belastbarkeit bemisst und sich nicht aus Gesundheits- oder Fehlerziffern “berechnen” lässt. Vor den Verwaltungsgerichten fallen diese Behörden dann immer wieder auf die Schnauze, wenn sich ein Wehrpflichtiger von einem erfahrenen Anwalt vertreten lässt.

Aber es geht noch besser:

  • Ein vom Wehrpflichtigen auf eigene Kosten beauftragtes Gutachten nützt einem Wehrpflichtigen so gut wie nichts.
  • Wer auf drei Briefe nicht reagiert, hat eine weniger allgemeine Verwendungsbreite (Vulgo: Der ist doof)

und zu guter Letzt:

Wir Psychologen haben Wirkung “auf jeden Wehrpflichtigen, der mit diesem Amt zu tun hat oder hatte. Und das betrifft früher oder später nahezu ALLE Männer.”

Ist irgendjemand hier, der die gottgleichen “Wirkungen” des psychologischen Dienstes schon zu spüren bekommen hat? Ich bin gespannt!

Die ganze Geschichte erinnert mich an meine Zeit bei der Bundeswehr. Da gingen die Warnehmungen von Wehrpflichtigen und dem Stammpersonal mitunter diametral auseinander. Mit einem Poster wollte man Zeit- und Berufssoldaten und freiwillig Wehrdienstleistende vor dem Konsum illegaler Drogen warnen. Sinngemäß stand auf dem Poster folgende rhetorische Frage:

Wer Drogen nimmt, muss mit der Entlassung aus der Bundeswehr rechnen. Lohnt sich das Risiko?

Nach etwa 2 bis 3 Tagen enthielt das Poster – was eigentlich zu erwarten war – einen handschriftlichen Zusatz: Ja!

Und jetzt kann ich mir lebhaft vorstellen, was im Kopf eines Bundeswehr-Psychologen vorgeht, wenn er dem Musterungsarzt vorschlägt, einen kiffenden Wehrpflichtigen als “nicht wehrdienstfähig” (so heißt das!) zu mustern. Ob es für den Psychologen ein orgasmusgleiches Gefühl ist, es diesem dummen Schwein damit mal so richtig gezeigt zu haben?

 

Manchmal weiß man nicht, ob ein trauriges Ereignis nicht doch auch Anlass ur Freude sein kann.

Der Initiator der “Tanja”-Briefe, mit denen minderjährige Computernutzer vor knapp 20 Jahren zum Raubkopieren ermuntert werden sollten und dann abgemahnt wurden, ein Münchner Rechtsanwalt, hat sich erschossen.

 

Der Panzergrenadier meldet sich in einer dienstlichen Angelegenheit:

 

Genau diese Frage muss sich ein Redakteur der dpa gestellt haben, als er einen Artikel über die ekligen Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in der Edelweiß-Kaserne in Mittenwald geschrieben hat. Und weil Bürgermeister Adolf Hornsteiner dazu nichts gesagt hat, hat sich der Redakteur einfach etwas ausgedacht.

“Gesoffen wird doch überall. Was glauben Sie denn, wie es hier auf dem Land zugeht, wenn einer bei den Trachtlern oder der Blasmusik dazugehören will”, soll eine weitere angeblich befragte Person gesagt haben.

Jetzt ist der Redakteur seinen Job los. So schnell kann das gehen.