Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten – 2008 -
Last Updated on Samstag, 16 Januar 2010 03:19
Written by admin
Freitag, 15 Januar 2010 06:10
Written by admin
Freitag, 15 Januar 2010 06:10
In dieser Reihe veröffentlicht MUSTERUNGSFORUM.DE als kurze Zusammenfassung die Jahresberichte des Wehrbeauftragten, diesemal geht es um den 50. Bericht des Wehrbeautragten des Deutschen Bundestages für 2008. Diese Berichte erlauben einen tiefen Blick in den Alltag in der Bundeswehr.
- Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee in einem Logistikbataillon erduldeten über viele Monate hinweg ständige verbale Entgleisungen und entwürdigende Behandlungen durch ihren Zugführer und dessen Stellvertreter. Aus Angst vor Repressalien unterließen sie eine Meldung an höhere Vorgesetzte.
- ein Obergefreiter und Feldwebelanwärter schilderte wiederholte erhebliche Kränkungen und Beleidigungen sowie eine entwürdigende Behandlung durch seinen Zugführer, einen Hauptfeldwebel. Er bat eindringlich um vertrauliche Behandlung seiner Eingabe, weil er anderenfalls erhebliche Laufbahnnachteile und eine negative Einflussnahme seines Zugführers befürchtete.
- Ein Stabsunteroffizier forderte im Rahmen eines Zugabends einen Rekruten auf, in eine Weinflasche zu urinieren. Als der Soldat dieser Aufforderung nicht nachkam, urinierte er selbst auf dem Flur in die Weinflasche, füllte diese mit Wein auf und gab die Flasche im Rahmen eines Trinkspiels an einen ahnungslosen Rekruten weiter, damit dieser aus der Weinflasche trinken sollte. Im weiteren Verlauf forderte er zwei Rekruten auf, im Flur niederzuknien und die Freundin eines anwesenden Feldwebelkameraden anzubeten. Um seine Missachtung gegenüber einem sich dagegen sträubenden Rekruten auszudrücken, riss er gemeinsam mit dem Feldwebel dem Rekruten eine Litze von der Schulter. Der Feldwebel steckte sich im Rahmen des Trinkspiels mindestens einmal zwei Finger in den Mund und spuckte die hoch gewürgte Flüssigkeit gegen einen Rekruten. Er urinierte vor den Augen dieses Rekruten im Zugkeller gegen die Eingangstür, nachdem er ihn zuvor vergeblich dazu aufgefordert hatte, im Flur zu urinieren. Während der Schlussansprache des Zugführers, eines Oberleutnants, drückte der Feldwebel dem Offizier gegenüber seine Missachtung aus, indem er seine Hose herunterzog und ihm sein blankes Gesäß entgegenstreckte.
- Ein Stabsunteroffizier hat im Anschluss an einen Bowlingabend unter Alkoholeinfluss die Rekruten seiner Gruppe geweckt, Ausrüstungsgegenstände und Joghurtbecher durch die Stuben geworfen und einzelnen Rekruten 50 Liegestütze befohlen hatte. Einem zögernden Soldaten befahl er, sich stattdessen „hinzuknien und ihm 50-mal einen zu blasen“.
- Ein Fahnenjunker, der während des Truppenpraktikums als Gruppenführer in der Allgemeinen Grundausbildung in einer Ausbildungskompanie eingesetzt war, fiel durch Sprüche wie „Mir platzt hier gleich der Arsch! Da werde ich zum Hitler!“ auf und bezeichnete weibliche Rekruten als „Schatzi 1“ und „Schatzi 2“ bzw. als „Vorzimmerschlampe“
- Ein Hauptmann hat an einen politisch tätigen Oberstleutnant eine Email geschrieben, in dem er diesen als “Feind im Innern” bezeichnet und sich “als deutscher Offizier entschieden von diesem linken Zeitgeistkonglomerat uniformierter Verpflegungsempfänger” distanziert. Weiter droht der Hauptmann, der Oberstleutant werde beobachtet, und zwar “nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht”. Unterschrieben hat er die Email mit dem Zitat eines Kriegsverbrechers („Es lebe das heilige Deutschland”).
- In einem anderen Fall wurde einem Kompaniechef vorgeworfen, unter anderem innendienstkranken Mannschaften und Unteroffizieren befohlen zu haben, mit dem Feldessbesteck das Pflaster vor dem Offizierheim von Unkraut zu befreien.
- Ein Oberleutnant äußerte [...] gegenüber einem Stabsfeldwebel seiner Einheit, der ihn begleitete: „Von Euch müsste man die Hälfte vergasen, Heil Hitler und gute Nacht“.
- Ein an einer Bundeswehruniversität studierender Leutnant äußerte in zwei Fällen jeweils im Gemeinschaftsraum der Wohneinheit in Anwesenheit Dritter sinngemäß: „Zyklon B – über 6 Millionen zufriedene Kunden zwischen 1939 und 1945“.
- Ein betrunkender Fähnrich äußerte sich im Rahmen einer Verkehrskontrolle wie folgt: „Wissen Sie, dass wir hier auf der Reichsautobahn sind?“. Auf dem Polizeirevier gab er zu verstehen, dass er ein deutscher Offizier sei, der sich auf einer deutschen Reichsautobahn bewegen dürfe.
- Ein als Hilfsausbilder in einer Allgemeinen Grundausbildung eingesetzter Obergefreiter hat im Rahmen eines Zugabends den „Hitlergruß“ gezeigt, während von den Soldaten des Zuges die Nationalhymne gesungen wurde.
- Ein Marinesoldat hat sich über das Warenangebot in zwei Mannschaftsheimen beschwert, dort werden seien Feuerzeuge mit eingravierten Bildern, beispielsweise einem Wehrmachtssoldaten und dem Spruch „Klagt nicht, kämpft“ oder ein Geschütz mit den Zahlen „8-8“ ebenso verkauft worden, wie „Landser“-Hefte. Die Zahlenkombination „8-8“ wird in rechtsextremistischen Kreisen als verschlüsseltes Akronym für „Heil Hitler“ verwendet.
- Ein Bataillonskommandeur äußert sich zur Anwesenheit einer Soldatin: „Das ist sehr gut, dann haben wir jemanden, der den Tisch abräumt“ und „Frauen in der Bundeswehr haben viele körperliche Nachteile, aber der Unterschied ist schon schön anzusehen“.
- In einem anderen Fall äußerte sich ein Unteroffizier auf einer Internetplattform wie folgt: „Frauen haben bei der Bundeswehr absolut nichts zu suchen, außer im Stab, im San-Bereich und eventuell in der Küche.
- Ein Hauptfeldwebel griff einem weiblichen Stabsunteroffizier an die Brust. Die Soldatin war zunächst völlig entsetzt und zu keiner Reaktion fähig. Als sie sich später mit anderen Soldatinnen der Kompanie über den Vorfall austauschte, erfuhr sie, dass solche Belästigungen schon mehrfach vorgefallen waren.
- Während einer Weihnachtsfeier bezeichnete ein Leutnant einen weiblichen Stabsunteroffizier als „geile Sau“ und bot der Soldatin sinngemäß an, sie könne das Deutsche Sportabzeichen bekommen, wenn sie ihm „entgegenkomme“.
- Ein Grundwehrdienstleistender war bereits eine Woche nach Dienstbeginn „krank-zu-Hause“ geschrieben worden. Nachdem sieben Wochen später seine (vorübergehende) Verwendungsunfähigkeit festgestellt und ein Entlassungsverfahren eingeleitet worden war, dauerte es weitere fünf Monate, bis der Gefreite aus der Bundeswehr entlassen wurde.
- Im Berichtsjahr wurden 15 Todesfälle von Soldaten mit Verdacht auf Selbsttötung gemeldet.
Related posts:
- Jahresbericht des Wehrbeauftragten 2009
- Immer wieder brutale “Rituale” bei der Bundeswehr
- Was würde der CSU-Bürgermeister zu den Ritualen bei den Gebirgsjägern sagen?
- Spiegel der Gesellschaft?
This entry was posted on Freitag, Januar 15th, 2010 at 18:10 and is filed under Bundeswehr.
You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
You can leave a response, or trackback from your own site.
Werbung
Site Search
Tags
Ali Ağca
Alkohol
Anpimmeln
Auslandseinsatz
Ausschluss
Aussetzung
Bundesamt für den Zivildienst
Dauer
Dienstzeugnis
dpa
feierliches Gelöbnis
Grundausbildung
Grundgesetz
Grundrecht
Grundwehrdienst
Günter Freiherr von Gravenreuth
Journalismus
Kreiswehrersatzamt
Kriegsdienstverweigerung
KWEA
Meldung
merkwürdig
Mittenwald
Mißhandlung
Musterung
München
Nachwuchsgewinnung
Raubkopie
Rechtsextremismus
Rhön-Kaserne
Ritual
Rolf Clement
Scharnier
Tagesschau
Tanja
Türkei
Verkürzung
Vorfall
Vorlage
Waldflecken
Wehrbeauftragter
Wehrpflicht
Zivildienst
zu Guttenberg
Österreich
Leave a Reply