Archive for Januar, 2010


Während hierzulande Kaptalverbrechen in aller Regel zum Ausschluss vom Wehrdienst führen, so muss man in der Türkei, wie etwa der Papst-Attentäter Mehmet Ali Ağca, nach Verbüßung einer Haftstraße wegen Mordes durchaus damit rechnen, direkt aus der Haft zur Musterung gebracht zu werden.

Auch sonst gibt es in diesem Land so einige Merkwürdigkeiten.

 

In dieser Reihe veröffentlicht MUSTERUNGSFORUM.DE als kurze Zusammenfassung die Jahresberichte des Wehrbeauftragten, diesemal geht es um den 50. Bericht des Wehrbeautragten des Deutschen Bundestages für 2008. Diese Berichte erlauben einen tiefen Blick in den Alltag in der Bundeswehr.

 

Etwas Neues hat das Bundesamt für den Zivildienst zu vermelden. Dienstzeugnisse gibt es jetzt nicht mehr auf Antrag, sondern ohne Zutun des DIenstpflichtigen nach abgeleistetem Dienst ganz automatisch.

Da Dienstzeugnisse wohlwollend formuliert sein müssen, hilft die – selbstredend völlig unverbindliche – Vorlage des Bundesamtes beim Entschlüsseln.

“Über den Zivildienstleistenden ist nichts Nachteiliges bekannt geworden” bedeutet einfach nur, dass er sich nicht benehmen kann. Und “er hat unseren Erwartugnen im großen und ganzen entsprochen” bedeutet, dass seine Arbeitsleistung mangelhaft war.

Vielleicht sollte man über das Bundesamt auch einfach nur sagen, dass nichts negatives bekannt geworden ist, wenn mal wieder der ein oder andere Zurückstellungsantrag wegen eines dualen Studiums oder wegen Überbrückung der Probezeit eines Arbeitsverhältnisses als unbegründet zurückgewiesen wird.

 

So etwas könnte ein Zivildienstleistender zu hören bekommen, wenn aus der geplanten Verkürzung des Zivildienstes nichts wird.

Wie Bild oder Aachenener Nachrichten zu wissen glauben, leisten Zivis ihren Dienst gerne und hätten ein Problem mit der Lücke, die entstehen würde, wenn der Dienst künftig 3 Monate kürzer wäre. Dies sollen jedenfalls Zivildienstleistende gegenüber dem Bundesbeauftragten so geäußert haben.

Welche Lücke eigentlich?

Die Nürnberger Nachrichten wissen es ganz genau:

“Wer etwa nach dem Abitur ein Studium anstrebt, muss nach Wehr- oder Zivildienst jetzt schon weit über ein halbes Jahr überbrücken.”

Rechnen wir mal nach: Abiturzeugnisse gibt es Ende Juni, ab Juli könnte also Wehr- oder Zivildienst geleistet werden. Wird er aber häufig nicht, denn wie mehrere Jahre Musterungsforum.de und andere Internetportale zeigen, werden viele Wehrpflichtige so spät gemustert, dass sie nach dem Abitur nach Klasse 12 fast nie und nach Klasse 13 auch eher selten überhaupt einebrufbar sind.

Zugegeben, es ist ungünstig den Zwangsdienst so zu legen, dass angehende Studenten ihre Lebensplanung nach den Kreiswehrersatzamt oder dem Bundesamt für den Zivildienst ausrichten müssen – und dann ihr Studium womöglich unterbrechen müssen, weil diese Behörden einfach schlafen. Die Verkürzung von Wehr- und Zivildienst kann jedenfalls nicht Schuld daran sein, dass jährlich zehntausende junge Männer ein Jahr verlieren, Schuld daran ist die Dienstpflicht an sich, denn es ist vollkommen egal, ob der Dienst 4 Monate dauert oder 15 Monate, angehende Studenten verlieren so immer mindestens ein Jahr.

Es bleibt abzuwarten, ob der Dienst nicht auch künftig in Abschnitten von zum Beispiel drei Monaten und zweimal sechs Wochen abgeleistet werden darf. Oder muss, denn genau das sieht der § 24 (3) Zivildienstgesetz jetzt schon vor – allerdings nicht für angehende Studenten.

 

Früher – als noch alles besser war – war der Zivildienst um bis zu 3 Monate länger als der Grundwehrdienst. Begründet wurde dies mit der sich an den Grundwehrdienst anschließenden Verfügungsbereitschaft der Rekruten.

Seit Rot-Grün ist Schluss damit und Grundwehrdienst und Zivildienst haben die gleiche Dauer von jetzt 9 Monaten.

Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass der Grundwehrdienst auf 6 Monate verkürzt werden soll, was nun aber ist mit dem Zivildienst.

Das werde noch geprüft, teilt die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen jetzt mit. Man habe sich noch nicht festgelegt, ob zum Jahresbeginn 2011 auch der Zivildienst verkürzt werden solle. Derzeit liefen Überlegungen.

Man darf gespannt sein.